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5. Die Verben
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| I.
Abgeleitete Verben II. Einfache Verben III. Gemischte Konjugation IV. Unregelmäßige Verben und Sonderformen V. Vorschläge zur Konjugation
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"Die
Systematik der Verben im Sindarin ist weit davon entfernt völlig
verstanden zu werden." Mit diesen Worten begann der Abschnitt über
Verben im ursprünglichen Artikel, und das trifft für weite Bereiche
auch noch immer zu. Seitdem hatte Helge Fauskanger allerdings die Möglichkeit,
sich mit David Salo's Überlegungen und Theorien von bezüglich der
Verben des Sindarin auseinander zu setzen; der folgende Abschnitt baut
auf dieser neuen Grundlage auf. Davids Theorien scheinen Sinn zu machen.
Man darf jedoch nicht vergessen, dass man sich hier nur auf sehr wenige
Beispiele beziehen kann, und viele Schlussfolgerungen aus diesem Grund
als vorläufig zu betrachten sind. Zwar werden Hunderte von Verben in
den Etymologien erwähnt, doch
da nur wenige effektiver Sindarin-Text
vorliegt, sind die Aussagen zur Konjugation dieser Verben nicht
immer sicher. In den Etymologien
selber hat Tolkien zwar manchmal einige wenige flektierte Formen neben
der Grundform aufgeführt, doch derartige Notizen sind extrem selten und
häufig ist noch nicht einmal klar, was diese flektierten Formen
bedeuten sollen. Ausgehend von den wenigen Beispielen, unter Berücksichtigung
all dessen, was wir über die Phonologie des Eldarin, die Entwicklung
des Sindarin und das ursprüngliche Verbsystem wie es vom geschlussfolgert
werden kann zu wissen glauben, gelangen wir zu einer Systematik wie der
nachfolgend dargestellten. Damit der Text lesbar bleibt, werden die
komplexen Schlussfolgerungen des folgenden Szenarios nicht im Detail
ausgeführt, doch der Leser darf sicher sein, dass die wenigen verfügbaren
Unterlagen eingehend geprüft wurden. Es mag durchaus sein, dass zukünftige
Veröffentlichungen Teile dieser Darstellung ganz oder in Teilen
widerlegen, doch sollten die allgemeinen Eckpunkte der Theorie Bestand
haben. ALLGEMEINES: ENDUNGEN:
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Die
Konjugation der abgeleiteten
Verben (A-Stämme) scheint relativ geradlinig zu erfolgen, sie
beinhaltet zumeist lediglich eine Reihe von Endungen. Im Umkehrschluss
kann man annehmen, dass Tolkien diese Gruppe der Verben als
"schwache" Verben bezeichnet hätte. Der
Infinitiv wird mit der Endung –o
gebildet, die das –a des
Verbstammes ersetzt:
bronia-
>
bronio
"erdulden" Der
Präsens (der 3.Person
Singular) ist mit dem A-Stamm identische:
bronia-
>
bronia
"erduldet" An diese Form werden dann die Pronominal- und Pluralendungen angefügt: broniar "(sie) erdulden", briniam "wir erdulden" etc. Zu beachten ist, dass die Endung –n "ich" das finale –a zu –o wandelt: also bronion "ich erdulde", dagron "ich führe Krieg" etc.
bronia-
>
broniant "erduldete" Auch
hier könne die Plural- und Pronominalendungen, ebenso wie im Präsens,
angefügt werden. In diesem Fall wird –nt
vor diesen Endungen zu -nne-: Bei
"sie sangen" ergäbe das eigentlich linnanner
(da "sang" linnant
ist), doch immer dann, wenn ein "doppeltes nn"
gebildet würde, wird das Verb zusammengezogen: "sie sangen" wäre
somit linner. Das
Futur wird mit der Endung –tha
gebildet:
bronia-
>
broniatha "wird erdulden" Auch
hier werden die Plural-/Pronominalendungen nach den gleichen Regeln wie
im Präsens angefügt. Und wie im Präsens wird aufgrund der Endung –n "ich" aus dem –a
der ein –o: broniathon
"ich
werde erdulden" (linnathon
"ich werde singen" ist im HdR belegt). Ansonsten bleibt das
finale –a unverändert: broniatham "wir werden erdulden", linnathar "sie werden singen" etc. Der
Imperativ wird mit der Endung –o
gebildet, die das –a
ersetzt. In dieser Gruppe der Verben ist der Imperativ folglich
identisch mit dem Infinitiv. Der Imperativ auf –o
gilt für alle Personen (Briefe); das liegt daran, dass die Form die
selbe ist, egal ob der Befehl einer oder mehreren Personen gilt. Es war
ein Elb der den Gefährten daro! "halt!"
befahl als sie Lórien betraten; HdR1,II,Kap.6. (im Quenya hat man die Möglichkeit
zu unterscheiden; ob diese Möglichkeit auch im Sindarin besteht ist
nicht bekannt.) Das
Partizip Präsens (Mittelwort
der Gegenwart) ist ein Adjektiv, dass von einem Verb abgeleitet wird, es
beschreibt den Zustand während der (andauernden, unvollendeten) Ausübung
der durch das Verb beschriebenen Tätigkeit (singend
ist das Partizip des Verbs "singen"). Im Sindarin wird das
Partizip Präsens mittels der Endung –ol
gebildet, die das –a des
Verbstammes ersetzt:
bronia-
>
broniol
"erduldend" (Das
Beispiel glavrol ist in HoME5:358 GLAM
belegt; ebenso chwiniol
"wirbelnd", HoME5:388 SWIN.
Im vollentwickelten Sindarin sollte man, im Gegensatz zum
"Noldorin" der Etymologien,
wohl eher hw- anstatt chw- schreiben.) Es scheint so, dass die derart hergeleiteten
Partizipien, im Gegensatz zu den übrigen Adjektiven, keine spezielle
Pluralform haben. Dann
gibt es noch das Partizip Perfekt
(Mittelwort der vollendeten Gegenwart). Von der Bedeutung her entspricht
es dem Partizip Präsens mit –ol,
allerdings beschreibt es den Zustand während einer bereits
abgeschlossenen Tätigkeit. Es wir mit der Endung –iel
gebildet, die das –a des
Stammes (oder bei Endung auf –ia
die komplette Endung) ersetzt:
esta-
>
estiel
"hat genannt" Im
Fall der zahlreichen Verben auf –ia
scheinen vergleichbare Formen nahe zu legen, den Stammvokal wie im o.g.
Beispiel hwíniel < hwinia zu verlängern.
(Die Verben siria- "fließen",
thilia- "glitzern",
tiria- "beobachten"
verhalten sich vermutlich ebenso: síriel,
thíriel, tíriel.) Das hat jedoch erschwerende Konsequenzen. Wenn wir der
phonologischen Systematik trauen wollen, die wir in Tolkiens Werk zu
erkennen glauben, muss bei vielen Verben der ursprüngliche
Vokal desselben in Betracht gezogen werden. In Fällen, wo der ursprüngliche
primitive Wortstamm den Vokal A
aufwies, weist das Partizip Perfekt ein ó
auf (anstelle eines langen á,
da im Sindarin schon früher aus dem langen á
ein ó geworden war):
beria-
( BAR ) >
bóriel
"hat geschützt" Besonderes
Augenmerk ist dem Verb egleria-
"verherrlichen" zu widmen, da es von aglar
"Ruhm, Herrlichkeit" und dem Stamm AKLA-R
abstammt, könnte das Partizip Perfekt hier aglóriel
"hat verherrlicht" lauten. Dort,
wo der Ursprungsstamm die Vokale O
oder U aufwies, tritt im Partizip Perfekt ein ú auf (anstelle eines langen ó,
da dieses in früheren Zeiten im Sindarin schon zu ú geworden war):
delia-
( DUL ) >
dúliel
"hat verborgen" (Im
archaischen Sindarin war es einfacher diese Gruppe von der vorherigen zu
unterscheiden, da diese verben früher mit ö
anstatt e geschrieben wurden: dölia-
etc. Nachdem ö zu e
wurde, mussten diese Verben erinnert oder auswendig gelernt werden.) Das
Verb bronia-
"ertragen" ( BORÓN-
) würde entsprechend brúniel
"hat erduldet" ergeben. Es bleibt allerdings ein Rätsel,
warum bronia- nicht in der
Form *brenia- , altertümlich
*brönia- , vorliegt; in
allen vergleichbaren Fällen verursacht die Endung –ia eine Umlautung (z.B. delia-,
vormals dölia-, aus *duljâ-
oder später *dolja-). Andere
Verben, die nicht auf –ia
enden, können der Umlautung unterliegen wenn die Endung –iel
ergänzt wird (was aber nicht sicher ist). Wenn dem so ist, werden die
Vokale a und o zu e
(auch hier wieder, o wurde in
früherer Zeit zu ö und dann
später zu e):
awartha- >
ewerthiel "hat
verlassen" Verbstämme
mit den Vokale e und i bleiben wie gewohnt von der Umlautung unberührt:
critha-
>
crithiel
"hat geerntet" Verben
mit Diphtongen ( eri, ui, ae, au
etc.) ändern sich ebenfalls nicht:
eitha-
>
eithiel
"hat beleidigt" Das
letzte bekannte Partizip ist das Partizip
Passiv (Mittelwort der Vergangenheit), das den Zustand beschreibt,
in dem sich jemand oder etwas befindet (oder befand), der der Ausführung
einer Tätigkeit ausgesetzt ist. Es wird zur Bildung des Passivs
verwendet: Wenn jemand dich sieht, wirst du gesehen; gesehen
ist also das Partizip Passiv des Verbs "sehen". Im Sindarin
wird das Partizip Passiv durch Anfügung der adjektivischen Endung –en
an die 3.Person Singular des Präteritums gebildet. Da die abgeleiteten
Verben das Präteritum auf –nt
bilden, enden die entsprechenden Passiv Partizipien auf –nnen
anstelle von –nten (die
Phonologie erfordert, dass die Konsonantengruppe nt
zwischen Vokalen zu nn wird):
gosta-
>
gostannen "gefürchtet" Als
Partizip Passiv von linna-
"singen" würde man analog eigentlich linnannen
"gesungen" erwarten, doch wie schon früher erwähnt, wird ein
"doppeltes nn"
zusammengezogen: linnen. Anders
als beiden beiden vorgenannten Aktivformen des Partizips gibt es
(vermutlich) im Partizip Passiv eine eigenständige Pluralform (die
verwendet wird, wenn das beschriebene Wort im Plural steht). Diese Form
wird gebildet, indem die Endung -nnen
zu –nnin wird, bei gleichzeitiger i-Umlautung im gesamten Wort. Wie
üblich hat das zur Folge, dass die Vokale a
und o zu e werden (auch hier wieder von o
über ö beim Alt-Sindarin zu e):
harnannen
"verletzt"
>
pl. hernennin Zu
beachten ist, dass hier auch die Endung –a
im Verbstamm, in den o.g. Beispielen also das finale –a
von harna- und gosta-, zu e umgelautet
wird: Im Plural wird –annen
immer zu –ennin. Die
Vokale e und i sind wie gewohnt
nicht von der Umlautung betroffen:
linnen
"gesungen"
>
pl. linnin Gleiches
gilt, wie ebenso schon bekannt, für die Diphtonge ( ei,
ae, ui, au etc.):
eithannen "beleidigt"
>
pl. eithinnen Aus
diesem Grund sollte der Plural des Partizip Passiv des Verbs boda-
"verbieten" auch die Form bodennin
annehmen, und NICHT **bedennin
mit der Umlautung o > e,
da sich das o hier aus einer früheren Form mit dem Diphtong au
entwickelt hat (vgl. das verwandte Wort baw!
"Nicht sollen, unterlassen"). Die
letzte bekannte Verbform ist das Gerundium
(Verlaufsform), eigentlich ein abgeleitetes Substantiv, beschreibt die durch
das Verb beschrieben Handlung als solche. Im Deutschen werden solche
Substantive mit der Endung –ung gebildet, z.B. Nennung
aus dem Verb nennen. Im
Gegensatz zu den Partizipien, die als Adjektive dienen, ist das
Gerundium ein Substantiv. Alle abgeleiteten Verben, oder A-Stämme,
bilden das Gerundium mit der Endung –d:
bronia-
>
broniad
"Erduldung" (der Akt des Erduldens) Es
scheint so, als ob das Gerundium häufig dort verwendet wird, wo wir
sonst den Infinitiv erwarten und verwenden würden. Im Brief des Königs
(HoME9:129) schreibt Aragorn, dass er aníra...
suilannad mhellyn în = "wünscht... seine Freunde zu
grüßen", wörtlich "wünscht... 'Grüßung' seiner
Freunde". Es scheint tatsächlich möglich, dass Tolkien
entschieden hatte die Infinitive auf –o und –i zu
verwerfen (letztere siehe im folgenden Kapitel) um sie durch das
Gerundium zu ersetzen. Die Infinitive auf –o
und –i sind auch in keiner
Quelle aus der Zeit nach den Etymologien
belegt. Das muss zwar nicht viel heißen, da die Sprach-Materialen aus
eben dieser Zeit recht dürftig sind, trotzdem sollte man im Sindarin
das Gerundium verwenden, wenn im Deutschen Sprachgebrauch der Infinitiv
Verwendung findet.
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| II. Einfache Verben
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Die Konjugation der einfachen, endungslosen Verben (sog. Primär-Verben) ist um einiges komplexer als die der abgeleiteten Verben. Tolkien mag diese Gruppe als "starke" Verben angesehen haben; vgl. HoME11:415. Der Infinitiv wird mit der Endung –i gebildet:
fir-
>
firi
"schwinden,
sterben" Diese
Endung verursacht die Umlautung von a
und o in den Vokal e:
blab-
>
blebi
"flattern" Einige
Verben stimmen unvermeidbar im Infinitiv überein; beispielsweise haben can-
"rufen" und cen-
"sehen" beide den Infinitiv ceni.
Hier ergibt sich aus dem Kontext, welches Verb gemeint ist. (Doch wie
schon oben ausgeführt, verwendet das Sindarin das Gerundium dort, wo
wir sonst im Sprachgebrauch den Infinitiv verwenden, und da ist die
Unterscheidbarkeit gewährleistet: caned
ggü. cened.) Der
Präsens dieses Verben wird
auf zwei Arten gebildet. Die 3.Person Singular erfordert keine zusätzliche Endung und entspricht
folglich dem Verbstamm, wobei im Fall von einsilbigen Verbstämmen der
Vokal verlängert wird:
dar-
>
dâr
"stoppt" Zu
den dokumentierten Beispielen gehören blâb
als Präsens von blebi
"flattern" (HoME5:380 PALAP),
und - mit eindeutigerer Formulierung – der Eintrag TUL-
(HoME5:395), in dem tôl mit
"er kommt" übersetzt wird, was eindeutig die 3.Person
Singular von teli
"kommen" ist. Die Form selber ist die allgemeine 3.Person und
nicht notwendigerweise "maskulin" oder "neutrum",
was sich auch aus einem anderen Zitat ergibt: Der Satz tôl
acharn "Rache kommt" (HoME11:254). Auf acharn
"Rache" würde man sich normalerweise nicht mit dem
Personalpronomen "er" beziehen. ANMERKUNG: Bei
mehrsilbigen Verbstämmen
(meistens Verben mit einer präpositionalen Vorsilbe) erfolgt keine Verlängerung
des Vokals und die 3.Person Singular ist identisch mit dem Verbstamm:
osgar-
>
osgar
"abschneiden" (HoME5:379 OS) In
allen Formen des Präsens, abgesehen von der 3.Person Singular, wird wie
schon eingangs ausgeführt eine Endung angefügt. Diese Endungen werden
an eine Verbform angefügt, sie mit
dem Infinitiv identisch ist, also mit der Endung –i
und der daraus resultierenden Umlautung der Vokale a
und o (wohingegen i
und e nicht beeinflusst werden):
dar-
>
derin
"ich stoppe", derir
"sie stoppen", derig/derich
"du stoppst", etc. Diese Form wurde lange Zeit als Perfekt angesehen, auch in der früheren Fassung dieses Artikels. Der Grund dafür war Gilraens linnod aus dem Anhang A des HdR: onen i-Estel Edain, ú-chebin estel anim, was in einer Fußnote mit "Ich gab den Dúnedain Hoffnung, ich behielt keine Hoffnung für mich" (Betonung von mir ergänzt) übersetzt wird. Im Licht anderer Beispiele scheint es jedoch naheliegender |